Sechs Semester Bachelorstudium vergehen wie im Flug. Drei Jahre, das klingt nach viel Zeit – doch sie kommt einem viel zu kurz vor. Die Jagd nach ECTS-Punkten, zahlreiche Abgabefristen, auf ein abgeschlossenes Projekt folgt prompt das nächste. Der Arbeitsdruck wächst exponentiell, je weiter man im Studium kommt. Ein Studium des Faches Kommunikationsdesign bietet viele Freiheiten, es bietet zahlreiche Möglichkeiten sich auszuprobieren und sich zu testen. Es beinhaltet aber auch einen universellen Ansatz und ein "ausgebildet werden" unter den prüfenden Augen eines Professors oder Dozenten. Dazwischen sucht man nach beruflicher Orientierung, hat eigene Visionen und Ideen. Doch die Zeit ist meist viel zu knapp. Im Hinterkopf ist dann auch stets noch die ganz persönliche Liste an Dingen, die "was-ich-schon-immer-mal-machen-wollte", auf der das eine Projekt steht, in dem man sich endlich selbst verwirklicht, sein ganz eigenes Ding macht. Die Bachelorthesis ruft und das Berufsleben rückt in beängstigende Nähe. Für das Erproben des gelernten Wissens und freies und experimentelles Arbeiten bleibt dann keine Zeit mehr. Wer sich fragt, ob man nun schon fertig ist und sich unabhängig von marktwirtschaftlichen Faktoren noch einmal ausprobieren möchte, kann die schon so oft bezeichnete "prägendste Zeit im Leben eines jungen Menschen" durch ein Zusatzsemester verlängern.
Sechs Plus. Das ist ein Begriff der unter Kommunikationsdesignern an der HTWG Konstanz in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Ein zusätzliches Semester vor der Bachelorarbeit, das die Gelegenheit bietet, einen weiteren Kurs zu belegen, ein Auslandssemester zu machen oder an Projekten zu arbeiten, die während des Studiums gereift sind. Mit diesen und weiteren Gedanken sind wir in das "Sechs-Plus-Semester" gegangen. Wir kamen zu dem Schluss, dass das Studium in seinen Möglichkeiten noch nicht voll ausgeschöpft worden ist und etwas her musste, um es abzurunden. Voll motiviert etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, haben wir uns getroffen, um gemeinsam über ein freies Projekt nachzudenken.
Bei einem Bier und mit dem Stift in der Hand haben wir Ideen gesponnen und versucht ein geeignetes Thema zu finden. Es wurde über Video, Magazine und 3D geredet, Ansätze verworfen und andere ausgebaut. Digital oder Analog? Was wollen wir eigentlich machen? Irgendwann stand dann so etwas wie "30-50 selbst gebaute Kameras" auf dem Papier. Wir gehen analog. Weg von der Tastatur, die Schere in die Hand. Einfach mal experimentieren.
"Wir Konzipieren und erfinden Lochkameras, die größtenteils aus einfachen und alltäglichen Materialien bestehen.
Der experimentelle Prozess vom Bauen bis zum Bild, ohne genau zu wissen, wie das Ergebnis aussieht, wird Programm.
Von simplen bis zu komplexen Kameras. Wir wollen nicht das perfekte Bild erzielen, sondern versuchen neue Bildwelten zu schaffen."
Euphorisch wird recherchiert, Ideen werden ausgearbeitet. Zum Beispiel die "Kürbis-Kamera". Eine witzige Idee, die wie wir später merken, schon aus einer anderen Feder stammt.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten – doch die Zahl von 30 bis 50 Kameras werden wir nicht erreichen. Eine utopische Zahl, zumindest für den jetzigen Zeitpunkt.
Wir stoßen auf die Technik der Solargraphie und fangen Feuer. Es ging mit den "Solargraphie-Kameras" auf den Bodensee und die ein oder andere fand sich in ausländischen Gefilden wieder. Im schummrigen Licht des Dachbodens in der Villa Prym feilten wir an den DIY-Lochkameras und kamen am Ende auf die Zahl von 20 Stück. Zwar haben wir nicht das hochgesteckt Ziel erreicht, aber dennoch eine beachtliche Anzahl geschafft, auf die wir sehr stolz sind. Unser Herzblut steckt in diesem Projekt. Wir freuen uns, dies in diesem Buch zu zeigen. |
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